1975/1985: Synchronizitäten mit dem Marienkäfer, die „synchronicity quest“ und die Beziehung zu Verstorbenen

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Im Jahr 1985 träumte ich einen Traum, der mich sehr lange beschäftigte, und den ich eigentlich erst im Jahr 2007 verstehen lernte:

Traum vom Homunculus der E. L., vom 2. Juni 1985:

Ich bin mit E. L. Sie besitzt eine Art Homunculus, ein kleines Männchen, das sie in den Armen hält, etwa so, wie eine Mutter, die ihr Kind stillt (also in der Herzgegend). Sie schiesst mit einem Gewehr auf ihn (Verletzung!), so dass ich glaube, dass er nun tot ist. E. hat ihn in ein Tuch eingepackt, und darin verwandelt er sich. Dieser „Homunculus mit dem Loch“ (Gewehrschuss) entwickelt sich in einen Korallenstamm. Am Ende jedes Korallenstamm-Astes sitzen je drei Marienkäfer.

Ich weiss heute, dass ich auf E. L. den inneren Magier projiziert hatte, der den Quantenphysiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli geradezu verfolgt hatte, weil er nicht realisieren konnte, dass er mit der Erfindung des Neutrinos zum Zwecke der Rettung des Energieerhaltungssatzes (siehe dazu Return of the World Soul, Part I) die Magie aus einer modernen Naturbeschreibung ausgeschlossen hatte. Wie wir sehen werden, lässt sich dieses magische Geschehen einerseits in der von mir so genannten synchronicity quest, andererseits in der Prozedur, die ich Symptom-Symbol-Transformation oder Körperzentrierte Imagination nenne, beobachten. Der Homunculus des Traumes entspricht jenem der Kabbala und der hermetischen Alchemie, vor allem jenem des Paracelsus, den ich aber nicht wie diese konkretisiere, sondern als die Erzeugung von Energie höherer Ordnung (oder höherer Negentropie) deute. Das Schiessen auf den Homunculus verstand ich lange Zeit nicht, bis ich dann erkannte, dass damit ein Zielen, das heisst eine konzentrierte (aber passive) Beobachtung der Inkarnationen aus dem „Loch“ der Einsteinschen Raumzeit, das heisst aus dem als pneumatische Weltseele personifizierten unus mundus oder aus der psychophysischen Realität gemeint ist. Dieses akausale (ursachelose) Pneuma der Stoa – synonym zu den semina des Paracelsus – als Gegenprinzip zur kausalen platonischen Weltseele wird im Tantrismus als Shakti[1] bezeichnet, die aus der Welt jenseits der unseren alle Dinge gebiert (vgl. die Abbildung[2]).

Die tantrische Shakti, die aus der jenseitigen Welt heraus alle Dinge unserer Welt gebiert

Es war diese Differenzierung zwischen kausaler platonischer und neuplatonischer Weltseele und akausalem Pneuma, der Weltseele der Stoa, die ich in meinem bisher unveröffentlichen Manuskript Die Magie der Weltseele anfangs 2011 schliesslich beschreiben konnte. (Vgl. dazu auch Die Synchronizität von Winchester und Stonehenge, Merlin und der Gral von 1977.) Doch schon im Jahr 2007 gelang es mir – in einer spontanen, das heisst, akausalen Eingebung aus dem absoluten Wissen des kollektiven Unbewussten in meinen Ferien in Firenze, dem Zentrum der Hermetik! –  zu erkennen, dass wir neben der physisch/physikalischen Energie (äussere Geist-Psyche) und der objektivpsychischen Energie C.G. Jungs (innere Geist-Psyche) eine weitere Energieform definieren müssen, eben die magisch wirkende Energie des Pneumas, die Energie des unus mundus (Dorneus/Jung), der psychophysischen Realität (W. Pauli). Mit deren Hilfe können Schöpfungsereignisse aus dieser „Welt hinter der Welt“ in unsere geistig-psychische Welt beobachtet werden – die von C.G. Jung so genannten Synchronizitäten – aber auch aufbauende Prozesse auf der Körperebene und auf jener der so genannten unbelebten Materie. In der unten folgenden Abbildung habe ich die beiden möglichen Prozesse in einer Übersicht dargestellt.

Siegel Salomos als Hintergrund der Synchronizität und der Körperzentrierten Imagination

Mit der Zeit ahnte ich dann, dass ich eben diese von mir zu entdeckenden Prozesse in eine Unmenge von Frauen hinein projiziert hatte. Obwohl die Ablösungsprozesse von ihnen immer sehr schmerzhaft waren, bin ich ihnen heute zutiefst dankbar, dass sie diese Projektion gespürt und mich daher nach kürzerer oder längerer Zeit verlassen hatten. So haben sie mich gezwungen, die (akausale) Weltseele der Stoa, das Pneuma, in mir selbst zu finden. Daher habe ich jenen Frauen, die diesbezüglich in meinem Leben eine entscheidende Rolle gespielt haben, mein Buch Return of the World Soul, Part I gewidmet. Es waren diese Frauen, mit deren (unbewusster) Hilfe mir schliesslich die in Return of the World Soul, Part I p. 115f. beschriebene Unterscheidung von C.G. Jungs Anima, des symbolischen Denkens, von der hermetisch-alchemistischen Weltseele, vom Pneuma der Stoa oder den semina des Paracelsus gelang[3].

Während ich den Traum am 2. Juni 1985 niederschrieb, erinnerte ich mich an eine Synchronizität, die sich genau zehn Jahre davor – schon diese Übereinstimmung bildet eine Synchronizität – , am 2. Juni 1975 ereignet hatte. Ich hatte begonnen Jungs Beitrag über die Synchronizität[4] in den Gesammelten Werken zu lesen. In der Exposition in § 818ff. beschäftigt er sich vorerst mit der Kausalität als einer nur statistischen Wahrheit. Diese Erkenntnis führe zwingend dazu, dass es auch Ausnahmen, das heisst, nicht reproduzierbare Ereignisse geben müsse. Mit solchen Einmaligkeiten beschäftige sich auch die Biologie. Doch während diese von mehreren Beobachtern beobachtet würden, sei eine wissenschaftliche Behandlung individuell erfahrener Ereignisse insofern problematisch, als sie nur in einzelnen Köpfen Gedächnisspuren hinterliessen.

Marienkäfer bei der Paarung

Mit diesen Worten führt uns C.G. Jung in das Phänomen der Synchronizität ein. Als ich den § 821 (pp. 479-481) las, der obige Gedanken enthält, flog ein Marienkäfer herbei und setzte sich vorerst auf einen Notizblock, auf dem ich mir ein I Ging-Hexagramm notiert hatte.

Die Hexagramme des I Ging sind durch eine ausgesprochene 2×3-Symbolik charakterisiert, denn jedes der Trigramme bedeutet einen symbolischen Inhalt, wie beispielsweise Wasser, Himmel, Donner, usw.

Der Marienkäfer begann dann auf das Buch zu klettern. Dabei fiel er hinunter, doch begann er erneut das Buch zu besteigen. Dies wiederholte er einige Male.

Da in unseren Breitengraden der Marienkäfer als Glückskäfer gilt, war mir sofort klar, dass es meiner Lebensaufgabe entspricht, das Phänomen der Synchronizität wissenschaftlich zu erforschen – welche Einsicht mir später Marie-Louise von Franz bestätigte. Da das Verständnis einer Synchronizität zu neuer Erkenntnis führt, bedeutet das „Herausdestillieren“ von deren Sinn eine Inkarnation auf der geistig-psychischen Ebene. Später sah ich dann (vgl. dazu den Traum über die Gleichzeitigkeits-Synchronizität), dass ich ein analoges Phänomen auf der physisch/physikalischen Ebene entdeckt hatte, das es ebenfalls zu erforschen galt: eine Inkarnation physisch/physikalischer Energie höherer Ordnung aus der psychophysischen Realität oder aus dem unus mundus heraus, die in der Körperzentrierten Imagination und in der Symptom-Symbol-Transformation beobachtbar wird und die aufbauende und heilende Wirkungen zeitigt.

Der Marienkäfer eignet sich als Symbol der Synchronizität deshalb so gut, weil er auf seinen roten Flügeln 2 x 3 schwarze Punkte besitzt. In Return of the World Soul, Part II (erscheint in 2012) zeige ich, dass die Zahl 3 den Energiebegriff an sich symbolisiert. Die 2×3-Symbolik bedeutet also die Bipolarität des Energiebegriffs, die sowohl hinter dem Synchronizitätsphänomen als auch hinter den Phänomenen der Symptom-Symbol-Transformation und der Körperzentrierten Imagination steht. [Näheres dazu siehe in Return of the World Soul, Part II.] Letztere wird uns weiter unten, bei der Beschreibung und Deutung der zweiten Marienkäfer-Synchronizität beschäftigen.

Aufgrund der ersten Marienkäfer-Synchronizität entwickelte ich zwischen 1975 und 1985 eine Methode, die ich synchronicity quest nenne: Am Morgen, noch im Halbschlaf und in meinen Träumen drin, ging ich des Öfteren in die Stadt und liess mich ziel- und willenlos treiben. Dabei sah ich mehr und mehr, dass sich sehr oft Synchronizitäten ereigneten, insofern, als Situationen und Personen der Träume der vorhergehenden Nacht gehäuft in der äusseren Realität auftraten. So lernte ich mich gemäss dem Inhalt solcher Synchronizitäten zu orientieren, beispielsweise im kreativen Schreiben. Schrieb ich um den Inhalt dieser Synchronizitäten herum, fühlte ich mich ausserordentlich glücklich – wie auch jetzt wieder, während der Abfassung dieser Artikels. Andererseits lernte ich, dass Synchronizitäten nicht, wie C.G. Jung und Marie-Louise von Franz postuliert hatten, relative seltene Phänomene darstellen, sondern dass sie gehäuft auftreten, wenn man sich ganz bewusst in diesen vegetativen Zustand fallen und den Körper laufen lässt. Mehr und mehr kam ich zur Erkenntnis, dass man neben dem kausalen und willentlich gesteuerten auch ein Leben leben konnte, in dem man sich willenlos einer höheren Macht ausliefert, in der man geführt wird und so „Zeichen und Wunder“ erlebt, die sich in solchen Synchronizitäten darstellen. Diese führen ihrerseits zum Aufbau höherer Ordnung im geistig-psychischen Bereich unserer Welt, nämlich zu Synchronizitäten, deren Deutung neue bewusste Erkenntnis bedeutet, die ihrerseits in einen Paradigmawechsel hinein führt.

Die obige (erste) Marienkäfer-Synchronizität steht am Beginn meiner Entdeckung des von mir so genannten Eros-Bewusstseins, jenes vegetativen Bewusstseins, das auf dem introvertierten Gefühl – der Wertungsfunktion, die einem genau sagt, was man in jedem Moment zu tun hat[5] – und der vegetativen Körperempfindung beruht. Letztere wird vom extravertierten Eros-Bewusstsein[6] in spontanen Momenten wahrgenommen, in denen der Körper plötzlich von selbst weiss, wohin er sich begeben muss. Eben dieses Phänomen hatte sich völlig unbewusst und daher destruktiv bei einem schweren Unfall im Jahr 1960 durchgesetzt, in dem ich als Fussgänger spontan in eine Vespa hineingesprungen war und einen doppelten Schädelbasisbruch erlitten hatte. Dies geschah mir nach einem Fest im Wasserschloss Hagenwil (bei Amriswil TG), während dem ein Teilnehmer aus dem Fenster des Rittersaales in den Burggraben gesprungen und die längste Zeit nicht mehr aufgetaucht war, so dass wir alle glaubten, dass er ertrunken sei.

Symbolisch gesehen heisst dies, dass ich die Aufgabe hatte, den „Kopf abzustellen“ (Schädelbruch) und „auf Tauchstation zu gehen“ (der Taucher von Hagenwil). Diese bedeutet aber eben das bewusste Leben des Eros-Bewusstseins aus den unteren Chakras heraus. Da ich diese Lebensaufgabe im Jahre 1960 noch nicht erkannte – noch nicht erkennen konnte; wie sollte ich auch! – konkretisierte sich das Geschehen und ich entging haarscharf dem Schicksal so jung ins Jenseits befördert zu werden. Ich hörte dann im Spitalbett in einem Nahtoderlebnis eine Stimme, die mir sagte, dass ich in diesem Leben noch eine Aufgabe hätte – wie ich viel später herausfand, die Erforschung der Synchronizität und des tieferen Geschehens, das ich heute als Symptom-Symbol-Transformation und Körperzentrierte Imagination bezeichne.

Doch nicht genug der wunderlichen Dinge! Als zweite Assoziation zu den Marienkäfern des obigen Traumes von E.L. erinnerte ich mich an einen Vorfall, der sich vier Monate vor diesem Traum, nämlich am 27. Januar 1985 ereignet hatte. Ich las damals im Buch Traum und Tod[6] von Marie-Louise von Franz, das diese mir kurz zuvor, noch vor dessen Veröffentlichung geschenkt hatte.

Als ich auf Seite 16 las, flog, wie schon beim Lesen des Synchronizitätsartikels C.G. Jungs, wieder ein Marienkäfer auf das Buch. Marie-Louise von Franz schreibt dort über die Möglichkeit eines Nachtodlebens Verstorbener. Sie meint, dass vor allem die paranormalen Materialisierungsphänomene zeigen, dass sich wirklich Verstorbene (und nicht persönliche Komplexe) in unserer Welt manifestieren können.

Der Weg des Marienkäfers in „Traum und Tod“

Ich hatte eben die Stellen von den „Träumen, in denen Verstorbene einem noch Lebenden erscheinen“ (S. 16f.) und „beziehen sich … objektstufig auf das Nachtodleben eines Verstorbenen“ (S. 17) angestrichen, als der Glückskäfer auf dem Buch S. 16 oben landete. Er lief dann am Rand der Seite hinunter. Auf der Höhe des Wortes „Materialisierungsphänomene“ entschloss er sich plötzlich nach rechts oben zu gehen. Dabei streifte er die Ausdrücke „absolutes Wissen“ und „wirklich Verstorbene“ (die Marie-Louise von Franz erwähnt, um die Inhalte von persönlichen Komplexen der Teilnehmer spiritistischer Sitzungen von den Erscheinungen wirklicher Verstorbener abzugrenzen). Dann ging er bis zum oberen Rand des Buches genau in die Gegend der kurz zuvor angestrichenen Teilsätze. Er wollte dann fortfliegen, hatte aber dazu die Kraft nicht mehr. Offensichtlich war auch er schon halb tot. Vielleicht veranlasste diese Todesnähe des Käfers das vorbewusste Wissen des kollektiven Unbewussten (C.G. Jung), mir durch ihn diese Botschaft zu überbringen, dass wir im vegetativen Zustand des Eros-Bewusstseins eine Beziehung zum Jenseits aufbauen können (siehe dazu unten). Ich entliess ihn ins Freie, denn dort hatte er am ehesten eine Überlebensmöglichkeit.

Wie mir während des Abfassens dieses Berichts Eva K. mitteilte, nennt man den Marienkäfer im Berndeutschen Himmugüegeli, Himmelskäferlein, womit wahrscheinlich seine Nähe zum Jenseits, zum christlichen Himmel betont werden soll. „Güegeli“ ist etymologisch verwandt mit „güegele“, was so viel bedeutet wie „schauen“. Das verbindet den Marienkäfer auch mit der medialen Schau, das heisst, mit der Erfahrung des vorbewussten Wissens.

Natürlich erinnerte ich mich in diesem Moment sofort an den Glückskäfer, der mir am 2. Juni 1975 über die Seite 480 von Jungs Synchronizitätsartikel in den Gesammelten Werken, Band 8 gelaufen war, und der mich letztlich zu der oben kurz beschriebenen Methode der synchronicity quest geführt hatte.

Ich ahnte, dass auch der zweite Marienkäfer irgendwie mit dem Synchronizitätsphänomen zu tun haben musste, doch brauchte ich noch Jahrzehnte, um dieses vermutete Geschehen in Worte fassen zu können. Mir fehlten damals noch die dazu nötigen Begriffe, die ich, wie ich oben geschildert habe, erst im Laufe des Jahres 2007 definieren konnte. Es handelt sich dabei vor allem um die Erkenntnis der Bipolarität sowohl der physisch/ physikalischen als auch der objektivpsychischen Energie C.G. Jungs, da sich beide in die magische Energie des unus mundus wandeln können (vgl. dazu die Abbildung oben). Zudem musste ich die Begriffe des Eros-Bewusstseins, des Bauchhirns und der Körper-Psyche (oder Körper-Seele) definieren (vgl. dazu Kurze Beschreibung der neuen Begriffe). Erst so konnte ich die Prozesse der Körperzentrierten Imagination und der Symptom-Symbol-Transformationbeschreiben.

Der Begriff „Materialisierungsphänomene“ half mir mit der Zeit zu erkennen, dass Prozesse existieren, in denen sich in dem von mir so genannten Zwillingsprozess aus der psychophysischen Realität heraus Materie/Energie höherer Ordnung oder höherer Negentropie aufbaut. Dies geschieht im obigen Schema der Körperzentrierten Imagination als Transformationsprozess von physischer und/oder physikalischer Energie in die magische Materie-Psyche der psychophysischen Realität, des unus mundus, die sich in einem simultanen Retransformationsprozess (Zwilling!) in physisch/ physikalische Energie/Materie höherer Ordnung wandelt. Dabei geschehen diese Transformationen gleichzeitig, eine Tatsache, die mir der Traum über die „Gleichzeitigkeits-Synchronizität“ von 1984 – ungefähr ein halbes Jahr vor der zweiten Marienkäfer-Synchronizität – beibringen wollte.

Die notwendige Voraussetzung der Beobachtung derartiger Prozesse besteht, im Gegensatz zur synchronicity quest, darin, den Körper ganz bewusst stillzulegen. Durch diesen Introversionsakt erhält man die Fähigkeit die spontane, d.h., akausale Transformation eines Symptoms einer Krankheit in ein körperlich erfahrenes Symbol, in ein „Bild aus dem Bauch“ oder eine vegetative Empfindung zu beobachten.

Die SST (und die KZI) stellt eine konkrete Anwendung des oben theoretisch beschriebenen Zwillingsprozesses dar. In ihr wird im ersten des Zwillingsprozesses die physisch/physikalische Energie, die sich im Symptom äussert, in die magische Materie-Psyche transformiert. Diese lässt sich vom introvertierten Eros-Bewusstsein in inneren Bildern und Bildfolgen (im „inneren Film“) und/oder in vegetativen Empfindungen beobachten. Die Erfahrung zeigt, dass schon die reine Beobachtung dieser Phänomene zu Aufbau und Heilung von körperlicher und psychosomatischer Krankheit (und gewisser psychischer Krankheiten) führt. Eben diese Besserung und Heilung entspricht dem zweiten Prozess des Zwillingsprozesses, in dem Materie/Energie höherer Ordnung aufgebaut wird.

Im Gegensatz zur Synchronizität Jungs, die auf der Grundlage der Telepathie und Präkognition  – einer Fähigkeit des extravertierten Eros-Bewusstseins – beruht, gründen die magischen Prozesse auf der Psychokinese[7a]. Es scheint nämlich, dass alle makro-psychokinetischen Prozesse zu einer Energie höherer Ordnung führen, denn nur so sind jene Phänomene erklärbar, die jeglichen physikalischen Gesetzen Hohn sprechen. In diese Kategorie gehört auch der Paulieffekt, ein magisches Phänomen das dem Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli andauernd geschah. So fing beispielsweise der Beschleuniger von Princeton in nie aufgeklärter Art und Weise Feuer, als Pauli sich ihm näherte[8].

Man kann die Erhöhung der energetischen Ordnung (Negentropie) in und aus der psychophysischen Realität oder dem unus mundus heraus als innere Psychokinese bezeichnen. Im Gegenstz zur Synchronizität findet in der Symptom-Symbol-Transformation und der Körperzentrierten Imagination eine Inkarnation auf der physischen/physikalischen Ebene statt. Sie stellen bewusst und daher konstruktiv wirkende Paulieffekte dar, die durch die Beobachtung durch das introvertierte Eros-Bewusstein Realität werden.

Mir wurde mit der Zeit klar, dass der Pauli-Effekt zeigt, dass im Quantenphysiker die Notwendigkeit des Aufbaus des Eros-Bewusstseins und die damit verbundene Anwendung der Körperzentrierten Imagination konstelliert war. Pauli konnte diese jedoch nicht erkennen, da er sich als Wissenschaftler mit dem Logos identifizierte. Dies zeigt sich auch darin, dass der Nobelpreisträger in seinen Briefen sich intensiv mit dem Problem des Eros während der Renaissance beschäftigte. Ich habe diesen Sachverhalt in Wolfgang Pauli, das Prinzip des kollektiven Eros und dessen kosmogonische Bedeutung beschrieben.

Einen weiteren Schritt in Richtung eines tieferen Verständnisses des in Pauli (und in mir) konstellierten Prozesses war die Einsicht, dass die psychophysische Realität raum-, zeit- und masselos ist. Ich habe diesen Nachweis aufgrund der Deutung einiger der wichtigsten Träume Paulis in Return of the World Soul, Part II (2012) erbracht. Da diese Welt der Materie-Psyche – symbolisch gesprochen der anima mundi, der Weltseele – eben diese Eigenschaften besitzt, ist auch das Eros-Bewusstsein in diese Welt aufgelöst. Im Gegensatz zu Jungs Aktiver Imagination im Zustand des Logos-Bewusstseins wird darin nicht gekämpft, verteidigt und verbal argumentiert, sondern man überlässt sich den in der Körperzentrierten Imagination erfahrenen „Dämonen“; man liefert sich aus – eine Verhaltensweise, die C.G. Jung (und auch Marie-Louise von Franz) noch nicht akzeptieren konnte, die aber die charakteristische Verhaltensweise des buddhistischen Traumyoga darstellt[9].

Mithilfe dieses Hinweises wird auch die obige zweite Marienkäfer-Synchronizität verständlicher. Wenn die psychophysische Realität (der unus mundus) die oben erwähnten Eigenschaften der Raum-, Zeit- und Masselosigkeit besitzt, beinhaltet sie auch das Jenseits. Wenn sich das Eros-Bewusstsein mit dieser Welt identifiziert, ist es sozusagen an die Welt der Jenseitigen angeschlossen. Daher ist es möglich, einen Kontakt mit Verstorbenen in ihrem Nachtodleben aufzunehmen. Wenn dann in dieser Welt psychophysische Quantensprünge stattfinden, die vom Eros-Bewusstsein beobachtet werden, ist auch in dieser Welt der omnipräsenten Ewigkeit (C.G. Jung) eine Wandlung geschehen, was als eine Erhöhung ihrer Ordnung beziehungsweise ihrer Negentropie gedeutet werden kann. In dieser Weise können Verstorbene in das vegetative Nervensystem Lebender eindringen.

Ich würde diese Hypothese nicht veröffentlichen, wenn ich nicht empirische Beweise dafür hätte. So weiss ich beispielsweise von einem Mann, dem im Zustand der Körperzentrierten Imagination Saddam Hussein erschien, der Stunden zuvor hingerichtet worden war. Er dankte ihm dafür, dass er ihn durch seinen Mut ihn zu empfangen von seinem negativen Karma erlöst habe. In diese Kategorie des Erlebens gehören ferner auch alle Begegnungen mit (meist kürzlich) Verstorbenen. Der „Zufall“ wollte es, dass in meiner ersten Therapie als Psychoanalytiker mit einer Patientin eben dieses Phänomen auftauchte: Sie wurde als schizophren diagnostiziert (!), weil sie Kontakte mir ihrer kürzlich verstorbenen Grossmutter hatte. Als Bauerntochter war dies für sie jedoch ein völlig natürliches Phänomen. Mithilfe dieser Diagnose und der Verabreichung von Neuroleptika wurde ihr Ich jedoch derart zerstört, dass sie heute von diesen Medikamenten abhängig ist[10].

Neben der Anwendung obiger Einsichten in der Symptom-Symbol-Transformation und Körperzentrierten Imagination dienen sie also auch dem Verständnis von „Reinkarnationen“ Verstorbener in das vegetative Nervensystem Lebender. Auch C.G. Jung ahnte ein solches Geschehen der Einheit mit dem Astralkörper[11] Verstorbener noch, welcher Tatbestand in zwei Briefen dokumentiert ist. Es sind die Briefe an Pfarrer Fritz Pfäfflin vom 10. Januar 1939 und jener an Gebhard Frei, ebenfalls ein Theologe, vom 17. Januar 1949[12]. Ich selber erlebe immer wieder, dass C.G. Jung, Marie-Louise von Franz und Wolfgang Pauli mich besuchen. Ich spüre sie dann hinter meinem Rücken stehen und mit grösstem Interesse über meine Schultern schauend die Dinge mitlesen, die ich schreibe, und die auf dem Bildschirm meines PCs erscheinen. Auch jetzt, beim Abfassen dieses Abschnittes meines Artikels, spüre ich ihre Präsenz geradezu körperlich.

Ich bin mir bewusst, dass die Psychiatrie ein derartiges Erleben als schizophren taxieren wird. Ich lebe jedoch schon seit Jahrzehnten in der Beziehung mit gewissen Verstorbenen und war dennoch nie in der „Klapsmühle“, und ich habe auch nie Neuroleptika geschluckt. Diese langjährige Erfahrung hat mir die Sicherheit gegeben, über solche Dinge zu schreiben. Denn ich weiss, dass vielen Menschen, deren ähnliche Erlebnisse als psychotisch diagnostiziert werden, so geholfen werden kann.

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[1] Im Tantrismus werden die Geburten der Shakti als Illusionen angesehen, da der Tantriker unsere Welt verlassen und sich mit einer „Welt jenseits der Welt“ in Beziehung setzen möchte. Unsere Aufgabe im Westen besteht hingegen darin, in einem passiv-rezeptiven Zustand, dem Eros-Bewusstsein, zu beobachten, wie aus der Vagina der Shakti, aus dem „Loch in der psychophysischen Realität“ oder der „Leere des unus mundus“, Inkarnationen höherer Ordnung geboren werden. Interessant ist, dass auch in der Physik ähnliche Fantasien existieren: aus den „black holes“ kann alles und jedes geboren werden.
Die Nähe zur Sexualität des Mannes ist frappant. Letztlich geht es hier um das Phänomen, das Jung in folgende Worte fasste: „Die menschliche Zeugungskraft ist nur ein Sonderfall der ‚archegonos physis ton holon’, der [zeugenden] Urnatur des Ganzen.“ GW 9/II, § 313. Dies alles erinnert auch an die semina des Paracelsus.
[2] Quelle: Rawson, Philip, Tantra – The Indian Cult of Ecstasy, Thames and Hudson, 1973, p. 19
[3] Den Unterschied zwischen der neuplatonischen und der hermetischen Alchemie habe ich im Kapitel 4, Neoplatonic and Hermetic Alchemy, Eternal infertility Versus Incarnation des Buches Return of the World Soul, Part I beschrieben.
[4] In GW 8, § 816ff.
[5] Vergleiche in diesem Zusammenhang die Unterscheidung von Kollektivmoral und Individualethik C.G. Jungs und das damit verbundene Problem der Pflichtenkollision in seinen Erinnerungen, Träume, Gedanken, p. … und GW 11, §§ 390, 394, sowie GW 18, §1414. Die Individualethik stützt sich auf das introvertierte Gefühl ab, welches alleine sagen kann, welche Handlungen ethisch vertretbar sind, während die Kollektivmoral einfach dem kollektiven Kodex folgt und sich so der individuellen Entscheidung entzieht. So mussten sich beispielsweise die Hitler-Attentäter für die Individualethik entscheiden.
[6] Die introvertierte vegetative Empfindung führt auf die Körperzentrierte Imagination und die Symptom-Symbol-Transformation. Siehe dazu die Beschreibung und Deutung der zweiten Marienkäfer-Synchronizität.
[7] Kösel Verlag, 1985
[7a] Schon im Jahr 2001 (siehe Wolfgang Pauli und die Parapsychologie) versuchte ich eine Deutung solcher Phänomene, fand jedoch noch keine Lösung, da ich den Zwillingsprozess noch nicht kannte.
[8] C.G. Jung hatte derartige Phänomene noch geahnt, als er in einem Brief (Jung, Briefe II, S. 148f., 17.1.49) von „vitalisierenden Synchronizitäten“ sprach. In ihnen soll „psychische Energie lebende oder tote Objekte … beeinflussen“, welche Wendung eindeutig kausal zu verstehen ist. Als Wissenschaftler der noch vor der quantenphysikalischen Revolution der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts ausgebildet worden war, konnte er kausale und akausale Phänomene noch nicht von einander unterscheiden. Da „Beeinflussung“ einen kausaler Begriff darstellt, Synchronizität jedoch einen akausalen, geschieht ihm hier eine Vermengung kausaler und akausaler Begriffe. Siehe dazu Die alchemistische Weltseele, das kollektive Unbewusste und die moderne Physik.
[9] Ich verdanke die Kenntnis dieses Sachverhalts einem mündlichen Hinweis Janine Girzigs, Berlin, die diese Art des Umgangs mit inneren Gestalten in ihrem Buch Luzides Träumen und seine Bedeutung für die seelische Gesundheit: Eine empirische Studie beschreibt.
[10] Als ich Marie-Louise von Franz einen Traum erzählte, in dem mir eine Stimme eben dies sagte, bestätigte sie diesen Sachverhalt. Sie sagte wörtlich: „Ja, Remo, Neuroleptika zerstören das Ich.“
[11] Vgl. dazu auch die vita longa des Paracelsus. Sie beschreibt eine Methode, in der mithilfe des Aufbaus des Astralkörpers einerseits Krankheit geheilt und andererseits das nötige Vehikel für das Leben im Jenseits geschaffen wird. In meiner Terminologie ausgedrückt ist diese Gleichsetzung deshalb möglich, weil beide auf der Transformation physisch/physikalischer Energie in die magische Energie der psychophysischen Realität und deren Rücktransformation in physisch/physikalischer Energie höherer Ordnung (= vom Astralkörper „beseelte“ Energie) beruhen.
[12] Briefe, Bd. I, p. 323ff. resp. Bd. II, p. 148f. In letzterem Brief geht er auch auf die Hypothese des subtle body ein.

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